Nebenwirkungen, Komplikationen

Medikamente der Stimulationsphase
GuRH-A: lokale Nebenwirkungen, kaum systemische Allergien. Während der kurzen Anwendungszeit sind keine Menopausensymptome zu erwarten.

HMG/HCG: lokale Nebenwirkungen durch die i.m. Injektionen und, durch den relativ hohen Fremdeiweissgehalt, lokale allergische Reaktionen. Im Oberschenkel injiziert, verursachen diese Medikamente oft Schmerzen entsprechend einem Muskelkater. Mit einer ventroglutaealen Applikation sind diese Beschwerden oft zu umgehen.

FSH/r-FSH: Subcutane Injektion, gelegentlich etwas Brennen lokal.




Follikelpunktion
Infekte: nach Punktion, grösste Risiken bei St.nach PID, insbesondere nach iatrogener Punktion von Sactosalpinges.

Blutungen: aus Vaginalgefässen mit eventuell notwendiger Umstechung, Punktion vonintraabdominalen Gefässen meist ohne notwendige Intervention.



Laborphase
Biologische Probleme: keine Eizellen, keine Spermien, keine Befruchtung, keine Zellteilung.

Technische Probleme: Gerätedefekte, Verwechslungen.



Embryotransfer
Konglutinierter innerer MM: kein Transfer möglich.



Lutealphase
Psychische Probleme: Psychische Probleme: Phase des höchsten psychischen Drucks.
Unter der Lutealphasenstützung mit HCG können sich die Ovarien wieder stark vergrössern und volumenbedingt Kompressionsschmerzen auf den Nachbarorganen und peritoneale Spannungsschmerzen auslösen. Werden die Beschwerden zu stark oder verläuft die Symptomatik Richtung Ovarielles Hyperstimulations-Syndrom, muss die HCG-Dosis reduziert oder gestoppt werden. Die Lutealphase wird dann weiter gestützt mit Utrogestan 3x2 Kps./die vaginal. Zur Diagnose und Behandlung des Ovariellen Hyperstimulations-Syndromes siehe nachstehende Zusammenstellung.



Das ovarielle Hyperstimulationssyndrom (OHSS)

Definition

Das ovarielle Hyperstimulationssyndrom ist eine potentiell lebensbedrohliche Erkrankung, hervorgerufen durch die exogene Gabe von Substanzen zur Follikelstimulation und Ovulationsinduktion. Das klinische Bild ist je nach Schweregrad sehr unterschiedlich. Bei der Follikelstimulation zur in vitro Fertilisation werden auch normal funktionierende Ovarien hyperstimuliert, mit dem Ziel, mehrere Eizellen zu erhalten. Auch bei sorgfältiger sonographischer und laboranalytischer Überwachung des Follikelwachstums gelingt es dabei nicht immer, die Hyperstimulation unter Kontrolle zu halten. Ein leichtes Hyperstimulations-Sydrom ist bei der in vitro Fertilisation sehr häufig und hat keine weitere klinische Bedeutung.

Einteilung und Klinik:

Es gibt verschiedene Einteilungen des OHSS, eine gut brauchbare ist die Einteilung nach GOLAN 1989.

Mild Ovargrösse 5–10cm Grad  1:

Grad 2:

abdominales Spannungsgefühl und Unwohlsein

Grad 1 Symptome plus Nausea, Erbrechen und /oder Diarrhoe




Mässig Ovargrösse > 10cm Grad 3: Grad 2 Symptome plus ultrasonographischer Nachweis von Aszites



Schwer Ovargrösse > 12cm Grad 4:

Grad 5:

Grad 3 Symptome, klinische Hinweise für Aszites und/oder Pleuraerguss, Dyspnoe

Grad 4 Zeichen und Hämokonzentration, erhöhte Blutviskosität, Hypoalbuminämie Oligurie.







Um die schweren von den äusserst lebensbedrohlichen Formen abzugrenzen, hat sich noch die Klassifika-tion von Navot 1992 durchgesetzt. Diese Klassifikation ist nützlich bei der Beurteilung von Patientinnen auf der Intensivstation.

Schweres OHSS

Deutlich vergrösserte Ovarien
Massiver Aszites und Hydrothorax
Hämatokrit > 45%
Gesamtleukozytenzahl > 15'000 / mm3
ev. Oligurie
Kreatinin 90 bis 130 mmol / l
Kreatininclearance > 50ml / min
Leberwerte erhöht
Generalisierte Oedeme

lebensbedrohliches OHSS

Deutlich vergrösserte Ovarien
Spannungsaszites und Hydrothorax
Hämatokrit > 55%
Gesamtleukozyten > 35'000 / mm3
Oligurie
Kreatinin > 140 mmol / l
Kreatininclearance < 50ml / min
Nierenversagen
Leberwerte erhöht
Thromboembolien
ARDS

Häufigkeit und Risikofaktoren

Die Inzidenz der leichteren Formen eines ovariellen Hyperstimulationssyndroms ist je nach Klassifikation und Art der Stimulation sehr unterschiedlich. Die schweren und lebensbedrohlichen ovariellen Hypersti-mulationssyndrome kommen nach einheitlichen Angaben in ca. 1% der Stimulationsbehandlungen vor.

Es gibt jedoch Patientinnen, die ein deutlich erhöhtes Risiko haben. Dies sind :

Bei den folgenden klinischen und sonographischen Zeichen während der Stimulation sind OHSS ebenfalls deutlich häufiger:


Patho-Physiologie

Der pathogenetisch wichtigste Faktor in der Entstehung eines OHSS ist die erhöhte Gefässpermeabilität, hervorgerufen durch die Sekretion von vasoaktiven Substanzen durch die Granulosazellen des Ovars. Die vermehrte Gefässpermeabilität führt zu einer Abnahme des intravaskulären Volumens mit Hypoalbuminämie und einer erhöhten Blutviskosität. Aus letzterer resultiert einerseits eine erhöhte Thrombosegefährdung und andererseits auch eine verminderte renale Perfusion, die zur Oligurie und schliesslich zum Nierenversagen führen kann. Die Proteine wandern in den extrazellulären Raum und erhöhen dort den onkotischen Druck. Es bildet sich Aszites, in besonders schweren Fällen auch ein Hydrothorax und Anasarca . Besonders ungünstig ist die Entwicklung eines Spannungsaszites, der in der Regel mit einem Nierenversagen einhergeht.

Prophylaxe des OHSS

Überwachung und Therapie des OHSS

Leichtes OHSS

Beobachtung, Körpergewicht messen, kein Ultraschall , (die Implantationsphase darf in keiner Weise gestört werden) ev. Labor: E2, Hämatokrit.

Therapie: Engmaschige Beobachtung.


Mässiggradiges OHSS
Körpergewicht messen, Bauchumfang messen, Auskultation und Perkussion, kein Ultraschall, Labor:
Hämatokrit, Leukozyten, Thrombozyten, Serumeiweiss, Natrium, Kalium, Kreatinin, E2.

Therapie: Abwarten, häusliche Schonung, allenfalls Bettruhe, viel trinken, Umstellung der Lutealphasen-Unterstützung auf Progesteron vaginal (3x2 Tabl. Utrogestan/die).


Schweres OHSS
Bauchumfang messen, Auskultation und Perkussion, täglich Gewicht messen, strenge Bilanzierung, ev. ZVD. Ultraschall nur falls eventuell eine Punktion notwendig ist. Labor: Hb, Hk, Leuk, Thrombo, Serumeiweiss, Natrium, Kalium im Serum, Harnstoff, Kreatinin, Leberwerte, Gerinnungsstatus, E2.

Therapie: iv Flüssigkeitszufuhr mit Elektrolytausgleich (primär Ringerlactat), Eiweisssubstitution (Humanalbumin, 2x100 ml 20%/die, bei zusätzlichen Gerinnungsstörungen: FFP), ev. Plasmaexpander. Gewichtsadaptiert Fraxiparin, ausser wenn bereits eine manifeste Gerinnungsstörung vorliegt.

Je nach Situation sind folgende Zusatztherapien notwendig: