Komplikationen und nicht vorhersehbare Behandlungsverläufe
 

Psychologische Betreuung

Die Fachpsychologin für Psychotherapie des IVF-Teams kann in jeder Phase der Infertilitätstherapie vom Paar, dem einzelnen Partner oder von Ihrer/Ihrem Gynäkologin/Gynäkologen zugezogen werden.
Die psychologische Begleitung: eine ev. notwendige Einzel- oder Paartherapie erfolgt in jedem Fall individuell.

Separate Verrechnung nach Aufwand, Rückerstattung durch die Krankenkasse unbedingt vorher abklären.

Abklärungsphase

Bedenken Sie, dass wegen Resultaten aus den Vorabklärungen ev. noch weitere Untersuchungen nötig werden, z.B., wenn eine bisher nicht bekannte Leberinfektion entdeckt wird, oder wenn die Chromosomen eines Partners Abweichungen zeigen, die eine genetische Beratung nötig machen.

Hormonelle Vorbehandlung, Stimulationstherapie

Die hormonelle Vorbehandlung (GnRH) führt kaum je zu Nebenwirkungen, selten wird gegen das Medikament eine allergische Reaktion entwickelt. Nötigenfalls muss auf ein anderes Präparat umgestellt werden.

Während der Stimulationsbehandlung müssen Sie sich viele Injektionen verabreichen (lassen), dies führt gelegentlich zu leichten Schmerzen im Bereich der Einstichstellen. Ernsthaftere Beschwerden aus der Stimulationstherapie können im Unterbauch entstehen, indem die Eierstöcke deutlich anschwellen und gelegentlich Druck auf die umliegenden Organe (Darm, Blase) ausüben. Neben Unterbauchschmerzen beklagen sich die betroffenen Frauen oft auch über Blähungen. Sollten bei Ihnen diese Beschwerden auftreten, melden Sie dies sofort dem/der behandelnden Arzt/Ärztin, eventuell sind Umstellungen in der Behandlung nötig. Durch rechtzeitiges Reagieren auf eine Überstimulation der Eierstöcke können ernsthaftere Probleme fast stets vermieden werden. Trotzdem muss jedoch in seltenen Fällen die Behandlung abgebrochen werden.

Neben der Ueberstimulation kann gelegentlich auch eine zu schwache Antwort der Eierstöcke auf die hormonelle Stimulation beobachtet werden. Auch dieser Umstand kann zum Abbruch der Behandlung führen.

Follikelpunktion

Die Follikelpunktion geschieht unter Ultraschallkontrolle. Trotzdem ergeben sich manchmal Blutungen aus verletzten Gefässen vor allem im Bereich der Vagina. Diese sind durch eine einfache Übernähung gut behebbar. Sehr selten werden grössere Bauchgefässe verletzt, so dass eine Eröffnung der Bauchhöhle notwendig wird. Ebenfalls sehr selten sind Infektionen durch Keime, die mit der Punktionsnadel in den Bauchraum eingeschleppt worden sind.

Laborphase

Während diesen 2 Tagen können einerseits technische Schwierigkeiten zu Komplikationen im Behandlungsablauf führen, z.B.:

    •    Defekte an Geräten
    •    Kontamination der verwendeten Kulturmedien mit Bakterien oder Pilzen
    •    Beschädigung von Ei- oder Samenzellen
    •    Fallenlassen von Kulturschalen
    •    Verwechslungen
    •    Aeussere Einflüsse (Feuer, Wasser)

Wir sind uns dieser Gefahren bewusst und bemühen uns sehr, durch die Verwendung von bewährten, gut gewarteten Materialien das Risiko so gering wie möglich zu halten. Insbesondere der oft gefürchteten Verwechslungsgefahr von Keimgut begegnen wir mit Mehrfachbeschriftung der Gefässe, strikter Trennung in den Brut-schränken sowie der ausschliesslichen Handhabung durch erfahrenes, aufmerksames Personal.

Während der Laborphase können anderseits auch biologische Probleme zum Vorschein kommen, die nicht voraussehbar sind. So kann es vorkommen, dass es einem Mann nicht möglich ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt die Spermien zu lösen, eventuell wird dadurch eine Hodenbiopsie nötig. Des weiteren können die Keimzellen (Spermien, Eizellen) von überraschend schlechter Qualität, geringer Quantität oder unreif sein. Auch ist nicht voraussehbar, wie sich die Eizellen nach der Befruchtung weiterentwickeln, ob und von welcher Güte Embryonen entstehen. Können überzählige befruchtete Eizellen eingefroren werden, kann die Belastung durch das Einfrieren und spätere Auftauen so gross sein, dass die Zellen sich schliesslich als abgestorben erweisen.

Embryotransfer

Das Zurückbringen der Embryonen in die Gebärmutterhöhle kann in den meisten Fällen schmerzfrei durchgeführt werden. Gelegentlich ist es aber notwendig, den Gebärmutterhals mit einer Zange zu fassen und zu strecken, um die Kathetereinführung zu erleichtern. Für einen kurzen Moment wird dabei oft über Unterbauchschmerzen geklagt.

Hormonelle Nachbehandlung

Nach dem Embryotransfer  kann es wiederum zu oben beschriebener unangenehmer Überstimulation der Eierstöcke kommen. Es ist auch in dieser Zeit wichtig, dass alle Beschwerden möglichst frühzeitig gemeldet werden, um gegebenenfalls die Therapie zu ändern. In dieser Zeit der hormonellen Nachbehandlung weisen die Eierstöcke sehr oft ungefährliche Zysten auf, die einem mit der Situation nicht vertrauten Arzt bedenklich erscheinen können und sogar eine Operation empfehlen lassen. Verlangen Sie vor einer auswärtigen Behandlung unbedingt die Rücksprache mit einem Mitglied unseres IVF-Teams.

Keine Schwangerschaft

Bedenken Sie, dass die Erfolgsrate der Behandlung durchschnittlich bei ca. 30% liegt, dass die Wahrscheinlichkeit eines Misserfolges also ca. 70% beträgt und dieser Umstand somit häufiger eintritt. Die seelische Belastung kann beträchtlich sein. Psychologisch-psychotherapeutische Hilfe durch die Fachpsychologin steht Ihnen, wenn Sie es wünschen, im IVF-Team zur Verfügung.

Komplikationen im Falle einer Schwangerschaft

Bei einer eventuell eintretenden Schwangerschaft sind die Risiken für Aborte und Schwangerschaftsbeschwerden gleich wie bei einer natürlich eingetretenen Schwangerschaft. Wie oben erwähnt, häufen sich Meldungen, wonach in Folge einer ICSI-Behandlung Missbildungen bei Kindern leicht häufiger auftreten.

Einzig das Auftreten von Zwillingen ist, da meist zwei Embryonen transferiert werden, vermehrt. Nach dem Transfer von 2 Embryonen in die Gebärmutterhöhle beträgt die Zwillingsrate ca. 15 - 20%.

Die körperliche und geistige Entwicklung bei Kindern die mit Hilfe der Methoden der IVF und ICSI gezeugt wurden, ist bis zum heutigen Wissensstand nicht anders als bei Kindern, die natürlich gezeugt wurden.

So paradox es klingen mag, aber nach einer IVF-Behandlung kann in seltenen Fällen auch eine Eileiterschwangerschaft eintreten. Die Ursache hierfür ist nicht ganz geklärt. Wahrscheinlich werden aber die Embryonen beim Rückverlegen durch besondere Umstände zu tief in die Gebärmutterhöhle und schliesslich in einen Eileiter gespült.