Wie natürlicherweise eine Schwangerschaft eintritt

Damit Sie die einzelnen Behandlungsschritte eines IVF-Behandlungszyklus verstehen, ist es vorteilhaft, wenn wir uns zunächst den Ablauf ansehen, wie eine Schwangerschaft natürlicherweise eintritt.

Nach einsetzender Menstruationsblutung (den ersten Blutungstag zählen wir als ersten Tag des neuen Zyklus), wenn die Gebärmutterschleimhaut aus dem vorgängigen Zyklus abgestossen wird, beginnt die Hirnanhangsdrüse im Kopf bald durch Ausschüttung des Follikel-Stimulierenden Hormons (FSH) in den Eierstöcken das Wachstum eines Eibläschens (Follikel) anzuregen. Das Eibläschen, oder der Follikel, beinhaltet Flüssigkeit, zudem ein loses Geflecht von Granulosa-Zellen und darin eingebettet die eigentliche Eizelle. Die Granulosa-Zellen geben das Hormon Oestradiol (E2) ins Blut ab, das einerseits das erneute Aufwachsen der Gebärmutterschleimhaut bewirkt, andererseits aber via Blutkreislauf der Hirnanhangsdrüse den Reifezustand der Eizelle mitteilt. Ist die Eizellreifung abgeschlossen, schüttet die Hirnanhangdrüse ein weiteres wichtiges Hormon aus, das luteinisierende Hormon LH. Dieses bewirkt schliesslich den Eisprung. Die reife Eizelle wird nun vom Eileiter aufgefangen und trifft am äusseren Ende des Eileiters auf die zu diesem günstigen Zeitpunkt durch Scheide und Gebärmutter aufgestiegenen Samenzellen: die Eizelle wird befruchtet. Die befruchtete Eizelle beginnt sich zu teilen und wird somit zum Embryo. Dieser wird ca. in Wochenfrist durch den Eileiter in die Gebärmutterhöhle transportiert, wo die Einnistung in die Schleimhaut beginnt. Die Schwangerschaftsentwicklung in der Gebärmutter hat damit begonnen. Da wo im Eierstock die Eizelle herangereift ist, formt sich nach dem Eisprung der Gelbkörper, der mit seinem Hormon (Gelbkörperhormon, Progesteron) die junge Schwangerschaft in ihrem Wachstum entscheidend unterstützt.

So gesehen, müssen bis zum erfolgreichen Eintritt einer Schwangerschaft viele Faktoren eng und gut abgestimmt zusammenspielen. Oder anders betrachtet, an vielen Stellen kann eine mangelhafte Funktion eines Organes dazu führen, dass die Entstehung eines Embryos oder seine Einnistung nicht möglich ist. Sei das durch eine ungenügende Hormonproduktion der Hirnanhangdrüse, eine schwache Antwort der Eierstöcke, verschlossene Eileiter, ungenügende Samenqualität oder durch eine ungeeignete Gebärmutterschleimhaut, um nur einige mögliche Ursachen einer Kinderlosigkeit zu nennen. Es verwundert deshalb nicht, dass natürlicherweise pro Zyklus die Schwangerschaftsrate ‘nur’ ca. 25% beträgt!

Abbildung 1:  Wie eine Schwangerschaft eintritt

bild1

 

bild2


Haben alle vorher versuchten fruchtbarkeitsfördernden Massnahmen zu keiner Schwangerschaft geführt, gibt uns die In-Vitro-Fertilisation nun die Möglichkeit, die gereifte Eizelle und die Samenzellen sowie ihre weitere Entwicklung unter dem Labormikroskop zu beobachten. Damit können etliche Probleme der Fruchtbarkeit besser eingesehen und möglicherweise behoben werden. Neben diesen diagnostischen Gesichtspunkten bietet die Methode auch therapeutisch viel, indem schliesslich nach dem Wachstum von Embryonen diese direkt in die Gebärmutter zurückgegeben werden können.

Doch nun zu den einzelnen Abklärungs- und Behandlungsschritten dieser Methodik.