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Hormonelle Vorbehandlung und ovarielle Stimulation:
Wie im vorangehenden Kapitel beschrieben, wird der Zyklus der Frau vom Hirn via Hirnanhangdrüse (Hypophyse) gesteuert. Diese stimuliert die Eierstöcke und löst durch einen hormonellen Impuls den Eisprung (Ovulation) aus. Damit nun in der Stimulationsphase der IVF-Behandlung (siehe unten) die Hypophyse nicht zu einem ungünstigen Zeitpunkt (z.B. wenn die Eizellen noch unreif sind) den Eisprung auslöst, muss sie vorübergehend ausgeschaltet werden (Down-Regulation). Dies kann mit einem Hormon (GnRH) erreicht werden, welches einmalig mit einer Fertigspritze unter die Haut (subcutan) injiziert wird. In der Regel beginnt man mit dieser Vorbehandlung ca. 1 Woche vor der erwarteten Menstruation, in deren Anschluss die Stimulationsbehandlung begonnen werden soll. Nach ca. 1 Woche, ev. etwas später, tritt dann also die Blutung ein.
In der sich nun anschliessenden Stimulationsphase sollen die Eierstöcke
mit Hormonen soweit angeregt werden, dass gleichzeitig mehrere Eizellen heranreifen.
Angestrebt werden etwa 8 - 12 an der Zahl. Wir nennen das eine kontrollierte
Hyperstimulation. Damit können wir die Chance erhöhen, schliesslich
befruchtete Eizellen sowie Embryonen zu haben. Würden wir nämlich
die Therapie mit nur einer Eizelle versuchen, wie sie natürlicherweise
monatlich heranwächst, wäre die Gefahr gross, den Behandlungszyklus
vorzeitig abbrechen zu müssen (z.B. weil die Eizelle nicht befruchtet
worden ist oder weil sich aus der befruchteten Eizelle kein Embryo entwickelt
hat). So haben wir uns eine gewisse Reserve geschaffen.
Die Stimulation wird mit Hormonen (HMG, uFSH, rFSH) bewirkt. Diese müssen
täglich unter die Haut (subcutan, z.B. an Bauch oder Oberschenkel) gespritzt
werden. Die Dosierung wird individuell von Ihrem/Ihrer behandelnden Arzt/Ärztin
bestimmt und ist peinlich genau einzuhalten. Die Reaktion der Eierstöcke
wird mittels der Vaginalsonographie beobachtet und notiert. Die Stimulationsbehandlung
dauert in der Regel 12 - 14 Tage und ist beendet, wenn die grössten Eibläschen
(Follikel) im mittleren Durchmesser 18mm überschritten haben.
Am Abend des letzten Stimulationstages (der genaue Zeitpunkt wird individuell
festgelegt) wird mit einem weiteren Hormon (HCG) die Eizellreifung abgeschlossen.
So können 36 Stunden später (am Vormittag des übernächsten
Tages) die Eierstöcke punktiert und die Eizellen abgesogen werden.
Wie Sie richtig gelesen haben, besteht die Stimulationsbehandlung aus etlichen
Spritzenbehandlungen, während ca. 2 Wochen müssen täglich Injektionen
vorgenommen werden. Was im Moment recht beeindruckend klingt, wird nach unserer
Erfahrung in der Regel sehr gut toleriert.
Die Medikamente und das Injektionsmaterial (Spritzen, Nadeln) werden Ihnen
in der Arztpraxis abgegeben. Die Vorbereitung der Spritze und das Spritzen
an sich sind leicht erlernbar und können nach der nötigen Anlehre
selber oder durch den Partner vorgenommen werden. Sollte Ihnen dies nicht
behagen, lassen sich immer auch andere Wege finden (Hausarzt, benachbarte
Krankenschwester usw.).
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