Die Laborphase (IVF-/ICSI-Verfahren, MESA, TESE)

Es folgen nun 2 Tage, während denen sich Eizellen und Spermien im speziell eingerichteten IVF-Labor befinden. Grundsätzlich ist es aus verschiedenen Gründen für Sie nicht möglich, diesen Ablauf direkt einzusehen. Erstens muss das Labor möglichst steril gehalten werden, d. h. frei von schädlichen Keimen wie Bakterien oder Viren. Zudem sind die Eizellen und Spermien sehr empfindlich auf Klimaschwankungen, deshalb werden die Beobachtungszeiten unter dem Mikroskop möglichst kurz gehalten.

Nachdem die Eizellen identifiziert und in den Wärmeschrank gebracht worden sind, werden die Spermien aus der Ergussflüssigkeit des Mannes durch ein spezielles Verfahren aufbereitet, d. h. die beweglichen Samenzellen von den unbeweglichen getrennt und die Samenflüssigkeit durch ein Zellmedium ersetzt. Damit haben die Samenzellen eine längere Überlebensdauer und eventuelle Störfaktoren werden eliminiert. Ca. 4 Std. nach der Follikelpunktion werden die Eizellen mit den Samenzellen des Partners in Kontakt gebracht.

Dabei können zwei verschiedene Verfahren angewandt werden: IVF oder ICSI.

Das IVF-Verfahren

Bei der IVF werden ca. 100’000 Samenzellen zu jeder Eizelle in ein kleines Plastikgefäss gegeben und für 18 - 20 Std. im Brutschrank bei 37oC inkubiert.

In dieser Zeit sollte pro Eizelle eine einzige Samenzelle eindringen und diese befruchten. Nach 18 - 20 Std. im Brutschrank werden die Eizellen unter dem Mikroskop auf ihre Befruchtung untersucht. Die befruchtete Eizelle befindet sich nun im Pronukleid-Stadium. In diesem Stadium haben sich das weibliche und männliche Erbmaterial noch nicht vereinigt und die Zellteilung ist noch nicht sichtbar.

Das ICSI-Verfahren

Ist die Samenqualität des Mannes sehr schlecht oder ist mit einer tiefen Befruchtungsrate bei der IVF-Methode zu rechnen, kommt die IntraCyto-plasmatischeSpermienInjektion (ICSI) zur Anwendung.  Da wenig bewegliche oder ungünstig geformte Spermien kaum in die Eizelle einzudringen vermögen und eine natürliche Befruchtung nahezu ausgeschlossen ist, kann heute ein Verfahren zu Hilfe genommen werden bei dem mit einer ultrafeinen Glaspipette eine einzelne Samenzelle direkt in die Eizelle injiziert wird.

Somit können auch bei sehr schlechter Samenqualität Schwangerschaften erreicht werden. Sind in der Ergussflüssigkeit des Mannes keine Samenzellen vorhanden, versucht man Samenzellen direkt aus dem Nebenhoden oder dem Hoden zu gewinnen.

Die beiden Verfahren zur Spermiengewinnung aus dem Hoden, MESA (Mikrochirurgische Epididymale Spermien-Aspiration) oder TESE (Testikuläre Spermien-Extraktion) genannt, bedingen einen operativen Eingriff (Hodenpunktion, Hodenbiopsie = Gewebeentnahme). Werden Samenzellen gefunden, gelangt die ICSI-Technik zur Anwendung.

Es muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass in den letzten Jahren verschiedentlich Untersuchungsresultate veröffentlicht worden sind, wonach bei Kindern, gezeugt durch eine ICSI-Behandlung, eine leicht erhöhte Missbildungsrate gefunden worden ist. Die genaue Ursache ist noch nicht bekannt. Es empfiehlt sich daher, Embryo und Fetus in der Schwangerschaft gut zu überwachen und eventuell eine erweiterte vorgeburtliche Abklärung zu erwägen (inkl. Chromosomen).

Sind aus dem einen oder anderen Verfahren mehr als zwei Eizellen befruchtet, werden die überzähligen befruchteten Eizellen vor dem Embroyanalstadium in flüssigem Stickstoff bei -196oC eingefroren. Das Einfrieren und das nachfolgende Aufbewahren der im Pronukleid-Stadium eingefrorenen Eizellen wird zu Ihrer Sicherheit vertraglich genau geregelt. Über die Einzelheiten des Vetrages informiert Sie der behandelnde Arzt/die behandelnde Ärztin.

Das Einfrieren, wie das Auftauen stellt für die befruchteten Eizellen eine gewisse Belastung dar, gelegentlich sind einzelne Eizellen nicht mehr zur weiteren Entwicklung fähig. Hingegen nehmen sie während der Lagerzeit keinen Schaden ungeachtet der Aufbewahrungsdauer.

Zwei Zellen im Pronukleid-Stadium werden nun weitere 24 Std. im Brutschrank inkubiert, wo sie sich zu Embryonen entwickeln. Die Embryonen werden kurz vor dem Embryotransfer auf ihr Aussehen hin beurteilt, und es werden Fotografien erstellt.